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„Wasserstoff hat ein enormes industrie­politisches Potenzial"

Ein Gespräch über die Zukunfts­fähigkeit von Wasserstoff mit dem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen­verbands Werner Diwald und Manuela Heise, Fachbereichsleiterin New Energies bei der DKB
In welchen Bereichen kann Wasserstoff verwendet werden? Was kann er zukünftig ersetzen?

Manuela Heise: „Wasserstoff kann einen wesentlichen Teil von dem ersetzen, was momentan in den Sektoren Wärme, Verkehr, Industrie und Strom noch einen klimaschädlichen CO2-Ausstoß mit sich bringt. So ist Wasserstoff unter anderem als Speicher nutzbar, kann in synthetische Kraftstoffe umgewandelt und in der Chemie- und Stahlindustrie eingesetzt werden. Mit Blick auf die Herausforderungen der Energiewende ist der Einsatz von Wasserstoff aber nur sinnvoll, wenn der Strom dafür aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, der im günstigsten Fall auch noch Überschussstrom ist, also sonst abgeregelt werden würde. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Nehmen wir einen Ort, an dem sehr viele Windräder oder PV-Anlagen stehen. Wenn zu viel Strom im Netz ist, müssen sie abgeregelt, also abgeschaltet werden. Besser wäre, wir könnten diesen bislang nicht genutzten Strom durch Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln und damit speichern.“

 

Werner Diwald: „Schauen wir zum Beispiel auf Benzin, Erdöl und Diesel. Das sind alles Kohlen­wasserstoff­verbindungen. Sie sind in ganz vielen Bereichen im Einsatz. Das macht deutlich, dass Wasserstoff überall dort angewendet werden kann, wo heute noch konventionelle Energieträger eingesetzt werden. Es ist letztendlich die gleiche Basis, nur sind die einen fossil und mit hohen Emissionen verbunden und das andere funktioniert mit erneuerbaren Energien auch ohne Emissionen.“

Warum ist Wasserstoff in Verbindung mit der Energiewende aktuell noch ein Nischenthema?

Werner Diwald: „Wir haben uns in den vergangenen 30 Jahren auf den Stromsektor konzentriert. Erst in der letzten Zeit ist das Bewusstsein entstanden: Energiewende ist nicht nur Stromwende, sondern viel mehr und da braucht man einen Energieträger. Das ist das erste. Das zweite ist, dass die Stromwende mit dem Ausbau erneuerbarer Energien die Erkenntnis gebracht hat: Halt, wir brauchen auch Ver­sorgungs­sicherheit, wir brauchen Speicher, wir brauchen eine saisonale Entkopplung der Erzeugung und des Verbrauchs. Wasserstoff ist die Lösung." 

Ist die nationale Wasserstoffstrategie der entscheidende Hebel, um Wasserstoff aus der Nische zu holen?

Werner Diwald: „Ja. Die Nationale Wasserstoff­strategie ist genau das richtige Signal. Es ist das erste Mal, dass die Bundesregierung für einen Energieträger eine ganzheitliche Strategie beschlossen hat. Die Tatsache, dass diese von einem Ausschuss auf Staatssekretärs-Ebene begleitet wird, macht ersichtlich, dass die Bundesregierung das Potenzial und die wirtschaftliche Chance erkannt hat. Ein weiterer Beleg hierfür ist, dass nicht das Umweltministerium die Federführung übernommen hat, sondern das Wirtschafts­ministerium. Dies macht deutlich, welch gigantisches Industrie­potenzial dahinter steckt. Wenn wir die Weichen richtig stellen, wird Wasserstoff die Triebfeder für ein nächstes deutsches Wirtschaftswunder. Die Bundesregierung muss jetzt für die unterschiedlichen Sektoren ein Marktdesign und die Nachfrage nach sauberen Antrieben und sauberen Energieträgern schaffen.“

 

Manuela Heise: „Die Nationale Wasserstoff­strategie ist ein sehr wichtiges Bekenntnis der Bundesregierung zum Thema Wasserstoff und Dekarbonisierung. Sie muss jedoch noch in den rechtlichen Rahmen­bedingungen verankert werden. Die Ausbauziele müssen klar definiert, die Förderfragen geklärt und die Wirtschaftlichkeit in den Blick genommen werden."

Welche Rolle spielt die DKB beim Thema Wasserstoff?

Manuela Heise: „Wir sind – und wollen es auch bleiben – die größte Finanziererin der Energiewende. Unter dem Label Energy Solutions begleiten wir Sektor­kopplungs­projekte, somit auch Wasserstoff. Dabei stellen wir uns breit auf: von der Erzeugung, also der Elektrolyse bis zur Anwendung. Wichtig ist für uns, dass die Wasserstoff-Nachfrage am Markt auch vorhanden ist, erst dann wird es auch ein zukunftsfähiger Business-Case.“

Abschließend gefragt: Ist Wasserstoff Hype oder Hoffnung?

Werner Diwald: „Es ist beides. Und es ist Realität. Wasserstoff hat ein enormes industriepolitisches Potenzial. Es ist eine riesige Chance.“

 

Manuela Heise: „Wir müssen den Hype nutzen, um die Hoffnung, die wir mit dem Wasserstoff verbinden, wahr werden zu lassen. Und das sollten wir auch tun."