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„Die smarte Stadt ist eine vernetzte Stadt"

Interview mit Dr. Oliver Rottmann, Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V., und Axel Kasterich, Bereichsleiter Infrastruktur bei der DKB
Wie sieht die smarte Stadt aus?

Dr. Oliver Rottmann: „Die smarte Stadt ist eine vernetzte Stadt. Es geht um das Gesamtsystem, aber auch um Teilsysteme, wie einzelne Quartiere. Im städtischen Kontext können neue, systemübergreifende, mehrdimensionale Infrastrukturlösungen und Angebote entstehen und miteinander interagieren, wie zum Beispiel eine Mobilitätsplattform. Bei einer Smart City geht es darum, Städte effizienter, fortschrittlicher, umweltfreundlicher und sozial-inklusiver zu machen." 

Hat eine smarte Stadt auch Nachteile?

Dr. Oliver Rottmann: „Da ist einerseits die Kostenseite: Welche Stadt kann sich was leisten? Und natürlich die häufig diskutierte Datensicherheit und Datenhoheit: Wem gehören die Daten? Sind sie sicher? Cyberkriminalität spielt eine Rolle. Die Störanfälligkeit eines digitalen Systems ist per se erstmal höher. Kritisch sehe ich außerdem, dass Smart Cities aktuell noch sehr stark von größeren IT-Unternehmen getrieben sind, die entsprechend Einfluss auf Daten und ggf. politische Prozesse nehmen. Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft wirklich stadtbezogene bottom-up-Prozesse sind und die Stadt sich auch ein Stück weit selbst smart entwickelt."

Was muss passieren, damit nicht nur Metropolen, sondern auch kleine Gemeinden smart werden?

Axel Kasterich: „Die wichtigste Voraussetzung, um smart zu werden ist erstmal digital zu werden. Dafür muss Glasfaser ausgebaut werden - und das nicht nur in den Metropolen, sondern auch in ländlichen Gebieten. Ohne schnelles Internet kann keine Smart Region entstehen. Das aber ist entscheidend, damit ländliche Regionen auch wirtschaftlich attraktiv bleiben und werden - bei der Ansiedlung von Unternehmen, aber auch damit so einfache Dinge wie Home Office überhaupt möglich sind." 

Wie werden wir in Zukunft wohnen?

Dr. Oliver Rottmann: „Wahrscheinlich energieeffizienter, verkehrsberuhigter und grüner. Die Grenzen zwischen Wohnen, Arbeiten und Bildung werden stärker verwischen." 

 

Axel Kasterich: „Einen Trend, den wir heute schon sehen, sind immer kleinere Haushaltsgrößen. Der Bedarf an kleinteiligem Wohnraum steigt und damit wird serielles und modulares Bauen wichtiger - sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Ein weiterer Trend: selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Für die große Mehrheit der Bevölkerung gilt, dass sie in ihren eigenen vier Wänden alt werden wollen. Das bedeutet, dass wir insbesondere in den altersgerechten Bau und Umbau investieren müssen. Dabei werden in Zukunft auch immer mehr spezielle technische Lösungen zur Unterstützung der älteren Bewohner, also Smart Home-Anwendungen, eingebaut."

Werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Was funktioniert in der Stadt der Zukunft ganz anders als heute?

Dr. Oliver Rottmann: „Es wird auf jeden Fall virtueller und weniger physisch. Das bezieht sich auf Ämter genauso wie auf Bildung, Wohnen und Arbeiten. Auch die Ver- und Entsorgungskonzepte werden technologischer, zum Beispiel durch Messsysteme, die melden, wann die Tonne geleert werden muss. Es entstehen andere Lieferketten für Waren des täglichen Bedarfs. Der Individualverkehr wird in den Ballungszentren zurückgehen und der ÖPNV gestärkt. Trotz allem: Stadt bleibt Stadt. Die Funktionen werden sich nicht extrem verändern, aber es werden andere Mittel genutzt." 

 

Axel Kasterich: „Zwei Beispiele: In Zukunft wird der Arztbesuch bei leichten Krankheiten durch eine Online-Sprechstunde ersetzt. Das hat natürlich auch Vorteile für Ärzte, die zu Randzeiten und im Home Office ihre virtuelle Praxis öffnen können. Ein anderes Beispiel ist, dass Verbraucher auch in der Stadt zu Energieproduzenten werden. Heute wird erneuerbare Energie vor allem in ländlichen Regionen erzeugt, zum Großteil aber in den Städten verbraucht. In der Stadt der Zukunft sehen wir viel mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern - nicht nur auf Einfamilienhäusern, sondern auch auf Mehrfamilienhäusern. Der Strom wird dort produziert, wo er auch verbraucht wird, beispielsweise zum Kochen oder Waschen."