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„Wir wollen Unternehmen unterstützen, sich nachhaltig zu transformieren"

Ein Gespräch über Nachhaltigkeit und Sustainable Finance mit Yvonne Zwick, stellvertretende Generalsekretärin im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), und Dr. Gerrit Mumm, Nachhaltigkeits­manager bei der DKB
Wie kann die Finanzwirtschaft zum Pariser 2°-Limit beitragen?

Yvonne Zwick: „Indem sie sich jetzt sofort auf den Weg macht, die CO2-Emissionen im Portfolio und im Kreditgeschäft zu reduzieren. Dazu muss sie zunächst einmal eine CO2-Bilanz erstellen und schauen: Wo kann man es überhaupt bilanzieren und wo sind Geschäftskunden noch gar nicht in der Lage, solche Bilanzen offen zu legen? Daraus ergibt sich die Chance, mit Kreditnehmern in den Dialog zu treten: Was macht ihr Geschäftsmodell aus? Wie können sie nachhaltiger, ressourcenleichter und CO2-neutral werden?“

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich genau?

Yvonne Zwick: „Nachhaltigkeit spielt sich in drei Dimensionen ab: Es ist nicht nur die Ökologie, Klima- und Ressourcenthemen, sondern auch der gesellschaftliche Zusammenhalt sowie die ökonomische Nachhaltigkeit. Das alles ist eingebettet in einen kulturellen Kontext. Das heißt, diese drei Dimensionen der Nachhaltigkeit muss ich immer in dem Kontext betrachten, in dem ich mich bewege – egal, ob ich ein Unternehmen oder ein Individuum bin. Wenn ich in eine bestimmte Struktur eingebettet und beheimatet bin, werde ich Dinge auch nur dann tun, wenn sie in der jeweiligen Kultur akzeptiert sind. Ich werde mich immer so weit bewegen können, wie das Umfeld, also beispielsweise Geschäfts- oder Finanzierungspartner mitgehen." 

Woran erkennt man, dass ein Projekt nachhaltig ist?

Dr. Gerrit Mumm: „Ganz grob ist es nach Branchen beurteilbar. Man kann einfach sagen: ein Kindergarten, eine Schule, Windenergie – das trägt alles zur Nachhaltigkeit bei. Wenn man aber tiefer geht, haben wir ein Datenproblem. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen fehlen Daten, um zu beurteilen, ob das Projekt tatsächlich nachhaltig ist. Deswegen wünschen wir uns mehr standardisierte Berichtspflichten von Nachhaltigkeits­indikatoren, wie zum Beispiel Rohstoff­abhängigkeiten und CO2-Output. Nur so lässt sich die tatsächlich Nachhaltigkeit von Unternehmen und Projekten beurteilen. Gleichzeitig ließe sich damit das Ausfallrisiko genauer berechnen. Hier beginnt die Reise zu einer künstlichen Intelligenz, die die Komplexität und Zukunfts­fähigkeit von Finanzierungen noch viel genauer bestimmen kann als aktuell."

Warum brauchen Organisationen Nachhaltigkeits­strategien?

Yvonne Zwick: „Nachhaltigkeitsstrategien beschreiben, wie das Thema strategisch verankert ist, wie es auf alle Geschäftsbereiche wirkt und nach welchen Steuerungsgrößen das Unternehmen das Kerngeschäft auf Nachhaltigkeit trimmt und innovativ aufstellt. Mit einer Nachhaltigkeitsstrategie ist die Anforderung verknüpft, dass man ein Konzept offenlegen muss. Das heißt, man muss beschreiben, welche Prozesse und Zielstellungen man etabliert hat, um die einzelnen Themen tatsächlich zu steuern.“

Die DKB prägt in der neuen Nachhaltigkeits­strategie den Begriff „Blaue Nachhaltigkeit“. Was bedeutet Blaue Nachhaltigkeit?

Dr. Gerrit Mumm: „Seit 50 Jahren wird insbesondere grüne Nachhaltigkeit gepitcht – und das vor allem mit einer negativen Krisenkommunikation. Die Analysen sind weitgehend richtig, doch die Art der Kommunikation hat bis heute den Mainstream nicht erreicht und der Planet sich immer weiter nicht-nachhaltig entwickelt. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir die ‚Blaue Nachhaltigkeit‘ entwickelt. ‚Grüne Nachhaltigkeit‘ arbeitet mit Ausschlüssen. ‚Blaue Nachhaltigkeit‘ hingegen nimmt die breite Masse mit, indem sie positiv kommuniziert, Transformation unterstützt und in Impacts investiert. Denken wir beispielsweise an Unternehmen, die aktuell Wasserstoff als Zukunftstechnologie aufbauen, um in Zukunft CO2-neutral zu werden. Mit den harten Ausschlüssen der ‚Grünen Nachhaltigkeit‘ fallen viele Firmen aus dem Portfolio, weil sie eben nicht 100 Prozent grün sind. Wir hingegen sagen: Genau diese Investitionen von solchen Firmen brauchen wir, um große Impacts mit HighTech zu realisieren. Wir wollen in Zukunft noch mehr Unternehmen dabei unterstützen, sich nachhaltig zu transformieren."